Strommangellage

Schlüsselaussagen

  • Noch ist nicht geklärt, wie die langfristig stabile Energieversorgung der Schweiz sichergestellt werden kann. Vor dem Hintergrund bestehender Unwägbarkeiten und eines mittelfristig stark steigenden Stromverbrauchs sind Bund und Wirtschaft gefordert, alles zu unternehmen, dass es nicht zu zyklischen Netzabschaltungen kommt. Wir teilen die Ansicht der Behörden, dass solche unbedingt vermieden werden müssen. Gleichzeitig fehlt in der Schweiz aber die technologische Voraussetzung, mit intelligenteren Konzepten breitflächige zyklische Netzabschaltungen unnötig zu machen.
  • Die Aufrechterhaltung der Dienstleistungen im Falle von Störungen ist für jede Bank und jeden Finanzmarktinfrastrukturbetreiber absolut zentral. Die Banken unternehmen alles, damit das Vermögen der Kundinnen und Kunden sicher und jederzeit zugänglich ist. Sie ergreifen wirksame Massnahmen und tauschen sich dazu mit den relevanten Akteuren über die bestehenden Möglichkeiten aus.
  • Je nach Gefahrenlage kann es im Ausnahmefall aber richtig sein, Tür und Tor zu schliessen, um die Banken, die eingelagerten Vermögenswerte und das Finanzsystem als Ganzes zu schützen. Für den Fall einer ausserordentlichen Situation ist das Halten eines Bargeldnotvorrats in kleinen Scheinen empfohlen.
  • Die im Finanzbereich angebotenen, teilweise systemkritischen Dienstleistungen sind zu wesentlichen Teilen von Funktionen abhängig, die ausserhalb des Verantwortungsbereichs einer Bank oder eines Finanzmarktinfrastrukturbetreibers sind, insbesondere von der Telekommunikation. Ein Ausfall zentraler Finanzmarktdienstleistungen durch einen Wegfall der Kommunikationsinfrastruktur birgt ein immenses Schadenspotenzial für die Schweiz und ihre Bevölkerung.

An den Ursachen ansetzen und die Vernetztheit berücksichtigen

  • Die Schweizer Wirtschaft ist hochvernetzt und international integriert. Bei einer Strommangellage handelt es sich daher um eine potenzielle Verbundkrise, die auch als Verbundsaufgabe anzugehen ist. Nur mit einer Gesamtbetrachtung der Systeme, Prozesse und Abhängigkeiten kann der Schutz kritischer Infrastrukturen und damit das Funktionieren der Volkswirtschaft sichergestellt werden.
  • Die SBVg begrüsst und unterstützt daher die Bemühungen der zuständigen Behörden, in Zusammenarbeit mit den relevanten Akteuren im Finanzmarkt Massnahmen zu evaluieren, welche die Resilienz im Falle einer Strommangellage erhöhen und die Folgen einer solchen abmildern können. Dazu gehören im Besonderen der gezielte Ausbau von Backup- Verfahren bei Unterbrüchen, der abgestimmte Einsatz von Notstrom-Kapazität, sowie die Erweiterung und Stabilisierung der Datenübermittlung und Kommunikationswege.
  • Bei all diesen Bemühungen stellt die SBVg klar, dass die friktionslose Aufrechterhaltung des elektronischen Zahlungsverkehrs und generell des nationalen und internationalen Datenverkehrs in unserer hochvernetzten Gesellschaft vollständig von der gleichermassen friktionslosen Verfügbarkeit von Netzwerkverbindungen abhängig ist. In einer Strommangellage müssten daher die Telekomanbieter als zentrale Dienstleister der kritischen Infrastrukturen in der Landesversorgung behandelt und entsprechend in die Pflicht einer unterbrechungs-sicheren Verbindungsinfrastruktur genommen werden.
  • Damit eine minimale geordnete Abwicklung des Zahlungsverkehrs überhaupt möglich ist, wären die Möglichkeit zur Telekommunikation und die Verfügbarkeit von Elektrizität flächendeckend für die gesamte Schweiz über mindestens einen definierten «Zeitkorridor» auf täglicher Basis zwingend. Falls ein schweizweiter «Zeitkorridor» nicht sichergestellt werden kann, muss mit einem Ausfall und/oder grossen Verzögerungen im Zahlungsverkehr gerechnet werden.
  • Die für gewisse Bereiche existierende prinzipielle Möglichkeit für Offline-Zahlungen wirft darüber hinaus bisher ungelöste, komplexe Haftungsfragen auf.
  • Für mögliche künftige Kontingentierungsmassnahmen soll gemäss aktueller Verordnung nur das Vorjahr als Vergleichsperiode beigezogen werden. In einem Szenario mit mehreren Jahren potenzieller Strommangellage hintereinander führt diese Berechnungsmethodik dazu, dass jährlich 10% zusätzlich eingespart werden müsste. Da dies so nicht umsetzbar ist, fordert die SBVg, dass dieser Aspekt geklärt wird. Sparziele pro Energieverteiler scheitern zudem an der Problematik, dass viele Schweizer Firmen ihren Strom von verschiedenen Anbietern beziehen. Die SBVg begrüsst daher die erklärte Absicht des Bundesrats, für verteilnetzübergreifende Grossverbraucher eine Lösung zu entwickeln.
  • Entscheidend ist, alle sinnvollen Möglichkeiten auszuloten, im Bedarfsfall die Energienachfrage zu senken und das Angebot zu stabilisieren. Da Versorgungsengpässe angesichts eines konstant steigenden Stromverbrauchs und einer unsicherer werdenden Versorgungslage absehbar werden, fordert die SBVg, dass Massnahmen entwickelt werden, die langfristige Versorgung der Schweiz mit Energie sicherzustellen. Unter diesem Gesichtspunkt unterstützt die SBVg auch sämtliche, auf marktwirtschaftlichen Prinzipien basierende Lösungen, denn mit kurzfristigem Mikromanagement kann einem derart grundlegenden Problem nicht begegnet werden.
  • Für die Absenkung der Nachfrage auf freiwilliger Basis, anderer Massnahmen und die nötigen individuellen Vorbereitungen auf den Notfall inklusive Bargeldhaltung erwarten wir eine klare, datengestützte Kommunikation des Bundesrats. Zudem erwarten wir, dass etwaige Netzabschaltpläne verbindlich publiziert werden, um eine minimale Planbarkeit für Wirtschaft und Endverbraucher zu gewährleisten.

Kontakt

Markus Staub
Leiter Prudentielle Regulierung
+41 58 330 63 42