Der Klimaschutz finanziert sich nicht von selbst
Man kann über den Kapitalismus, seine Grenzen und seine Auswüchse diskutieren. Aber eines ist sicher: Die Energiewende lässt sich nicht allein mit guten Absichten bewerkstelligen. Sie erfordert viel Kapital, das in die richtigen Projekte fliesst. Hier kommen die Banken ins Spiel.
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In Genf, dem künftigen Sitz des International Sustainability Standards Board (ISSB), nimmt die internationale Standardisierung von Klima- und Finanzinformationen konkrete Formen an. Bereits in den kommenden Jahren wird diese Präsenz die Rolle des Finanzplatzes als globaler Knotenpunkt für nachhaltige Finanzen stärken. Die Konferenz Building Bridges bringt Vertreter aus den Bereichen Finanzen, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie aus internationalen Organisationen zusammen, um eine einfache Frage zu erörtern: Wie lassen sich Worte in sinnvolle Investitionen umsetzen?
Denn die Zeit drängt. In der Schweiz beträgt die Erwärmung seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits rund 2,8 Grad – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt. Die Auswirkungen sind nicht mehr abstrakt: Hitzewellen, Dürren, Hochwasser, Gletscherschwund, Druck auf die Infrastruktur und geschwächte Lieferketten.
Die Reduzierung der Emissionen bleibt unverzichtbar. Aber wir müssen auch lernen, mit einem Klima zu leben, das sich bereits verändert hat: Städte anpassen, Gebäude schützen, die Wasserversorgung sichern, die Infrastruktur widerstandsfähiger machen und Unternehmen dabei helfen, Schocks abzufedern. Diese Anpassung ist schwieriger zu finanzieren, da ihre Vorteile oft diffus und langfristig sind.
Und doch ist genau das der Kern des Bankgeschäfts: Risiken zu verstehen, zu messen, zu verteilen und in finanzierbare Projekte umzuwandeln. Eine Bank kann ihren Kunden helfen, Klimarisiken vorwegzunehmen, hitzebeständige Gebäude, stabilere Wasserversorgungsnetze, widerstandsfähige Infrastrukturen oder saubere Technologien zu finanzieren. Sie kann Projekte strukturieren, beraten, finanzieren und begleiten. Ihre Rolle besteht nicht darin, die Wirtschaft von morgen vorzugeben, sondern deren Wandel zu ermöglichen.
Building Bridges hat zudem das Konzept der Blended Finance oder Mischfinanzierung in den Fokus gerückt: Dabei handelt es sich um eine innovative Finanzpraxis, bei der öffentliche oder philanthropische Mittel eingesetzt werden, um einen Teil der Risiken zu reduzieren und so mehr privates Kapital zu mobilisieren. Dieser Ansatz könnte dazu beitragen, die – immer grösser werdende – Finanzierungslücke im Klimabereich zu schliessen.
Die Debatte sollte sich daher von solchen Karikaturen lösen. Die Finanzwelt ist kein Zauberstab. Aber ohne sie gibt es keinen Fortschritt in grossem Massstab, keine Beschleunigung, keinen industriellen Wandel. Der Kapitalismus wird zum Problem, wenn er die Klimakosten ignoriert und kurzfristiges Denken belohnt. Er wird Teil der Lösung, wenn er Innovation, Wettbewerb und Investitionen in den Dienst klarer Ziele stellt.
Die Politik muss die Richtung vorgeben. Die Wissenschaft muss die Risiken aufzeigen. Unternehmen müssen innovativ sein. Und um von Ambitionen zu Taten zu gelangen, muss privates Kapital mobilisiert werden. Das Klima braucht nicht weniger Finanzmittel. Es braucht eine Finanzwirtschaft, die nützlicher, anspruchsvoller und näher an der Realwirtschaft ist. Genau hier können Banken den Unterschied machen: nicht indem sie ihre Kunden ersetzen, sondern indem sie ihnen die Mittel zum Handeln an die Hand geben.