Sustainable Finance

Das globale Finanzsystem beeinflusst die Zukunft unseres Planeten stark. Durch die Steuerung von Finanzflüssen in nachhaltige Aktivitäten («Sustainable Finance») hat die Finanzbranche grosses Potenzial, Märkte zu verändern und Wirtschaftssysteme nachhaltig mitzugestalten. Der Schweizer Finanzplatz nimmt dabei eine weltweit führende Rolle ein und leistet so einen positiven Beitrag.

Die Rolle der Schweizerischen Bankiervereinigung

Schweizer Finanzinstitute sind weltweit führend beim Angebot und Vertrieb von Anlageprodukten im Bereich «Sustainable Finance». Die Schweiz ist auf dem Weg, ein international führender Hub zu werden. Die Branche alleine kann dies jedoch nicht erreichen. Nur mit einem Zusammenspiel aller Akteure auf dem Finanzmarkt können die Ziele erreicht werden.

Der Verwaltungsrat der Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat «Sustainable Finance» im September 2018 zu einer strategischen Priorität der SBVg erhoben. Im Jahr 2020 veröffentlichte die SBVg ihre Grundsatzpositionen (vgl. Broschüre und Tabelle unten). Darin werden die idealen politischen Rahmenbedingungen aufgezeigt, die dazu führen, dass die Schweiz ein Hub für Sustainable Finance werden kann. Gemeinsam mit den Mitgliedern der AG Sustainable Finance erarbeitete die Geschäftsstelle zudem im Jahr 2020 einen Leitfaden für den Beratungsprozess für Privatkunden.

Die Schweizerische Bankiervereinigung setzt sich als Dachverband der Schweizer Banken aktiv dafür ein, dass bestehende regulatorische Hürden in der Schweiz abgebaut und die Rahmenbedingungen für nachhaltige Finanzprodukte insgesamt weiter verbessert werden. Dazu steht die SBVg im Dialog mit allen relevanten Akteuren der Branche, der Behörden und der Zivilgesellschaft.

Position der SBVg

Die Banken haben eine Reihe eigener Initiativen mit Fokus Sustainable Finance angestossen:

Engagement für Transparenz zu ESG-Faktoren
  • Schweizer Banken leisten Beiträge bei der Erarbeitung von internationalen Standards zur Transparenz. Zu nennen sind bspw. die «Task Force on Climate-related Financial Disclosure» (TCFD) der G20 sowie die Teilnahme an den freiwilligen Klimaverträglichkeitstests des Bundesamts für Umwelt (PACTA, BAFU).  
  • Eine zunehmende Zahl von Banken richtet ihre Geschäftsmodelle an den Zielen des Pariser Klimaabkommens aus, indem sie sich zur Integration von ESG-Richtlinien wie z. B. den «UN Principles for Responsible Banking» (PRB) ins Bankgeschäft verpflichten oder der «Net-Zero Banking Alliance» beigetreten sind. Auf Branchenebene hat die SBVg Arbeitsgruppen zu den Themen Offenlegung und Taxonomie gebildet.  
  • Die Schweizer Banken unterstützen die Offenlegung von Klimarisiken gemäss TCFD und haben bei der Revision des Rundschreibens zur Offenlegung eng mit der FINMA zusammengearbeitet.
Anlegen und Investieren
  • Die SBVg hat einen Leitfaden zur Integration von ESG-Überlegungen im Anlageberatungsprozess von Privatkunden erarbeitet.
  • Ein Grossteil der Banken hat ihr Angebot um Finanzinstrumente und Finanzdienstleistungen erweitert, die Nachhaltigkeitspräferenzen einbeziehen.
  • Zahlreiche Banken alignieren ihre Geschäftsmodelle an internationale Initiativen zur Integration von ESG-Richtlinien ins Anlagegeschäft, wie bspw. die «Principles for Responsible Investing» (PRI).
Kredite und Finanzierungen
  • Eine zunehmende Anzahl von Banken integriert in Eigeninitiative ESG-Faktoren in die Kreditvergabe.
  • Zahlreiche Banken alignieren ihre Prozesse je nach Geschäftsmodell an internationale Initiativen zur Integration von ESG-Richtlinien ins Bankgeschäft wie bspw. die PRB.
  • Die SBVg empfiehlt ihren Mitgliedern, an den freiwilligen Klimaverträglichkeitstests teilzunehmen und hat eine Arbeitsgruppe zu Nachhaltigkeit bei der Finanzierung von Immobilien gebildet.
Kapitalmarkt und Emissionen
  • Momentan entwickeln sich diverse Standards für nachhaltige Finanzinstrumente wie beispielsweise der «EU Green Bond Standard». Diese orientieren sich an den entstehenden Taxonomien und Transparenzstandards, an denen die Finanzinstitute massgeblich beteiligt sind.
  • Schweizer Banken und Asset Manager haben eine breite Palette an Finanzinstrumenten entwickelt, die auf Nachhaltigkeitsziele ausgerichtet sind (z. B. Green Bonds, Mikrofinanzierungen, Sustainability Bonds).

Neben den Eigeninitiativen der Banken benötigt der Finanzplatz optimale politische Rahmenbedingungen, die dem Schweizer Finanzplatz Raum geben, um Sustainable Finance zum internationalen Wettbewerbsvorteil entwickeln zu können. Regelwerke sollen gemäss dem erfolgreichen Schweizer Ansatz prinzipienbasiert ausgestaltet sein. Im Zentrum stehen aus Sicht der SBVg folgende Handlungsfelder:

Mehr Transparenz zu Chancen und Risiken aus ESG-Faktoren
  • International koordiniertes Vorgehen bei Transparenzregeln: Die SBVg unterstützt die Schaffung erhöhter Transparenz über die nachhaltigkeitsbezogenen Chancen und Risiken von Finanzflüssen. Dabei gilt es konsequent darauf zu achten, dass das Vorgehen international koordiniert ist. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Angebote der Schweizer Finanzinstitute exportfähig und kompatibel mit ausländischen Richtlinien sind.
  • Einbezug der Realwirtschaft: Es ist entscheidend, dass neben den Banken als Finanzintermediäre insbesondere auch die Kunden (als Anleger und Investoren) als Entscheidungsträger sowie die Realwirtschaft als Nachfrager der Finanzierungen in den Prozess einbezogen werden. Die Banken tragen dabei als Intermediäre massgeblich zu informierten und bedürfnisorientierten Entscheidungen ihrer Kunden bei. Damit Banken ihre Kunden verlässlich über die ESG-Konformität ihrer Anlagen informieren können, müssen die Empfänger der Finanzflüsse Transparenz hinsichtlich der nachhaltigkeitsbezogenen Chancen und Risiken ihrer Tätigkeiten schaffen. Aussagekräftige Transparenz ist also nur möglich, wenn die Realwirtschaft als Empfängerin von Finanzflüssen in die Transparenzvorschriften einbezogen wird. Wir begrüssen den Entscheid des Bundesrates vom 18. August 2021, Eckwerte zur verbindlichen Klimaberichterstattung für grosse Schweizer Unternehmen festzulegen.
  • Differenzierte Transparenzvorschriften: Entsprechende Transparenzvorschriften sollen namentlich nach Grösse, Komplexität, Risikoprofil und Struktur des Geschäftsmodells angemessen abgestuft werden. Übermässig aufwändige Vorschriften müssen verhindert werden, denn solche würden je nach Geschäftsmodell einer Bank ein Hindernis für Sustainable Finance sein. Eine Anpassung der Transparenzvorschriften sollte über eine Wesentlichkeitsprüfung («Materiality Assessment») erfolgen. Auf dieser Basis können Unternehmen den Fokus auf die für ihre Geschäftstätigkeit materiellen und wesentlichen ESG-Faktoren legen.
Rahmenbedingungen für Anlagen und Investments verbessern
  • Marktzugang ausbauen: Schweizer Finanzinstitute benötigen einen angemessenen internationalen Marktzugang, so dass Dienstleistungen und Finanzinstrumente im Bereich Sustainable Finance exportiert werden können. Nur so kann die langjährige Erfahrung der Schweizer Finanzinstitute im Bereich Nachhaltigkeit ihr volles Potenzial entfalten.
  • Zeitgemässe Vorschriften in der beruflichen Vorsorge: Die Anlagevorschriften für Pensionskassen im Bereich der beruflichen Vorsorge müssen zeitgemäss ausgestaltet werden. Die SBVg fordert, dass die «Prudent Investor Rule» konsequent angewendet wird. Nur so wird ESG-orientiertes Investieren der Pensionskassen nicht länger durch unnötig einschränkende Bestimmungen erschwert.
  • Handel nachhaltiger Finanzinstrumente steuerlich entlasten: Die SBVg befürwortet es, steuerliche und bürokratische Hürden für nachhaltige Finanzinstrumente abzubauen und nachhaltiges Investieren durch entsprechende Rahmenbedingungen zu fördern. Die Stempelsteuer benachteiligt den Handel von Finanzinstrumenten in der Schweiz. Die SBVg fordert die generelle Abschaffung der Stempelabgaben, damit gerade auch nachhaltige Angebote im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig positioniert werden können.
  • Einpreisen von Externalitäten in realwirtschaftliche Tätigkeiten: Massnahmen, die das Verhalten der Wirtschaftsakteure beeinflussen, sollen marktwirtschaftlichen Prinzipien folgen und an der Wurzel des Problems ansetzen. Damit wird ein mögliches Investitionsdilemma durch unzureichendes Einpreisen von Externalitäten verhindert. Die SBVg befürwortet das gezielte Einpreisen von Externalitäten in realwirtschaftliche Tätigkeiten, etwa in Form von punktuellen Lenkungsabgaben, kombiniert mit marktwirtschaftlich orientierten Fördermassnahmen zur Reduktion der negativen Externalitäten.
Keine kontraproduktiven Eingriffe bei Krediten und Finanzierungen
  • Keine Vermischung mit der Too-Big-To-Fail-Regulierung: Die Stabilität des Finanzplatzes ist essenziell. Die Too-Big-To-Fail-Regulierung (TBTF) beziehungsweise die geltenden Eigenmittel- und Liquiditätsanforderungen dürfen, auch mit Wirkung für Banken ohne TBTF-Status, nicht aus der Balance gebracht werden. Verschärfungen oder Erleichterungen bei diesen Anforderungen aufgrund von Nachhaltigkeitsaspekten lehnt die SBVg deshalb klar ab. Eine angemessene Berücksichtigung der ESG-Faktoren in den Risikomodellen wird hingegen als sinnvoll erachtet (sofern Nachhaltigkeitskriterien auch einen Einfluss auf die Risikobeurteilung haben).
  • Kein Verbot der Finanzierung von zulässigen Tätigkeiten: Die SBVg lehnt Finanzierungseinschränkungen und -verbote von legal zulässigen Tätigkeiten klar ab. Diese würden Banken in eine unangebrachte Aufsichts- und Entscheiderrolle im Nachhaltigkeitsbereich drängen. Ausserdem wären Finanzierungsverbote untauglich zur Zielerreichung, bewirken sie doch einzig ein Ausweichen auf andere, den Regeln nicht unterstehende Anbieter in der Schweiz oder auf andere Finanzplätze. Sollte die Politik bestimmte Tätigkeiten oder Produkte (z.B. Ölheizungen) ausschliessen wollen, so ist es effektiver, diese direkt zu verbieten.
Kapitalmarkt stärken
  • Emission nachhaltiger Finanzinstrumente steuerlich entlasten: Aufgrund der Verrechnungssteuer sind hierzulande emittierte Finanzinstrumente im internationalen Vergleich benachteiligt und wegen der Mehrkosten nur eingeschränkt exportfähig. Die SBVg fordert eine rasche und pragmatische Reform der Verrechnungssteuer, damit gerade auch nachhaltige Angebote im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig positioniert werden können. Nur so können ESG-konforme Schweizer Anlageinstrumente und der Schweizer Kapitalmarkt ihr volles Potenzial im Dienst der Nachhaltigkeit entfalten.

Bedeutung von Sustainable Finance

Dem globalen Finanzsystem kommt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) sowie des Pariser Klimaabkommens zu. Diese zwischenstaatlichen Vereinbarungen zielen darauf ab, die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu sichern, in dem sie einen Wandel in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen.

Ein Finanzsystem gilt als nachhaltig, wenn es den Übergang von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit finanziell unterstützt und beschleunigt. Die Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft erfordert, dass das Finanzsystem den Übergang zur Nachhaltigkeit ermöglicht und gleichzeitig die Finanzierung schädlicher Aktivitäten reduziert. Saubere Energie, ressourceneffiziente Infrastruktur und Naturschutz sind nur einige Beispiele für Investitionsfelder einer nachhaltigen Wirtschaft. Dabei sind sowohl öffentliche Gelder als auch private Finanzströme wichtig und müssen einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Zukunft leisten.

Unter «Sustainable Finance» versteht man jede Form von Finanzdienstleistung, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (Environmental, Social and Governance, ESG) in die Geschäfts- oder Investitionsentscheidungen zum nachhaltigen Nutzen der Kunden und der Gesellschaft insgesamt integriert.

Sustainable Finance als Chance für den Finanzplatz Schweiz

Soziale und umweltbezogene Aspekte gewinnen bei Investoren zusehends an Bedeutung und nehmen damit eine zentrale Rolle im Anlageverhalten ein. «Sustainable Finance» ist auf dem Weg, die neue Norm für Anlagen auf dem Schweizer Finanzplatz zu werden. Dies zeigen die Zahlen von Swiss Sustainable Finance zu nachhaltigen Anlagen in der Schweiz in den vergangenen Jahren eindrücklich.

Development of sustainable investments in Switzerland (in CHF billion) – Total sustainable investment volume now at CHF 1,520.2 billion (+31% compared to 2019)

Source: Swiss Sustainable Investment Market Study 2021, Swiss Sustainable Finance 

Nachhaltigkeit betrifft die Geschäftstätigkeit der Banken in allen relevanten Geschäftsfeldern (Vermögensverwaltung, Kreditvergabe, etc.), bei der Interaktion mit Kunden, als Arbeitgeber und in der öffentlichen Wahrnehmung. Um nachhaltiger zu werden und die damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen, müssen die Finanzakteure Nachhaltigkeitsfaktoren systematisch in Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen integrieren. Beispiele für relevante Nachhaltigkeitsfaktoren, sogenannte ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance), sind Klimawandel, Wassernutzung, Kinderarbeit und die Wirksamkeit von Managementstrukturen zur Gewährleistung einer guten Corporate Governance.

Nachhaltige Anlagen können doppelt positive Ergebnisse erzielen. Sie haben einerseits grosses Potential auf geschäftlicher Seite und die Finanzbranche leistet damit andererseits einen konkreten Beitrag zur Erreichung der globalen Klimaziele und für eine nachhaltige Wirtschaft. Das Finanzsystem in der Schweiz mit ihrer vielseitigen Akteurslandschaft und ihrer technischen Kompetenz kann im Bereich der nachhaltigen Finanzwirtschaft eine führende Rolle spielen und diese Chancen nutzen.

Experten

August Benz
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