Bedeutung und Handlungsfelder

Das globale Finanzsystem beeinflusst die Zukunft unseres Planeten. Durch die Steuerung von Finanzflüssen in nachhaltige Aktivitäten («Sustainable Finance») hat die Finanzbranche grosses Potenzial, Märkte zu verändern und Wirtschaftssysteme nachhaltig mitzugestalten. Der Schweizer Finanzplatz nimmt dabei eine weltweit führende Rolle ein und leistet mithilfe von verschiedenen Massnahmen einen Beitrag.

Bedeutung von Sustainable Finance

Unter «Sustainable Finance» versteht man jede Form von Finanzdienstleistung, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (Environmental, Social and Governance, ESG) in die Geschäfts- oder Investitionsentscheidungen zum nachhaltigen Nutzen der Kundinnen und Kunden sowie der Gesellschaft insgesamt integriert. Ein Finanzsystem gilt als nachhaltig, wenn es den Übergang von Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit finanziell unterstützt und beschleunigt. Die Finanzierung einer nachhaltigen Wirtschaft erfordert, dass das Finanzsystem den Übergang zur Nachhaltigkeit ermöglicht und gleichzeitig die Finanzierung schädlicher Aktivitäten reduziert.

Auf internationaler Ebene hat die Schweiz als UN-Mitgliedstaat die Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet und das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Diese zwischenstaatlichen Vereinbarungen zielen darauf ab, die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu sichern, indem sie einen Wandel in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen.

Auf nationaler Ebene hat sich der Bundesrat 2019 das Ziel gesetzt, bis 2050 Netto-Null beim Ausstoss von Treibhausgasemissionen zu erreichen. 2020 hat er ausserdem einen Bericht und Leitlinien zur Nachhaltigkeit im Finanzsektor veröffentlicht, welche die Position des Schweizer Finanzplatzes als führenden Standort für Sustainable Finance weiter stärken sollen.

Bei der Umsetzung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele kommt dem Finanzsystem eine wichtige Rolle zu. Nachhaltigkeit betrifft die Geschäftstätigkeit der Banken in allen relevanten Geschäftsfeldern (Anlegen und Investieren, Kredite und Finanzieren sowie Kapitalmarkt und Emission von Wertpapieren), bei der Interaktion mit Kundinnen und Kunden, als Arbeitgeber und in der öffentlichen Wahrnehmung. Um nachhaltiger zu werden und die damit verbundenen Geschäftsmöglichkeiten zu nutzen, müssen Finanzakteure Nachhaltigkeitsfaktoren systematisch in Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen aufnehmen.

Seit September 2018 hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) «Sustainable Finance» zu einer strategischen Priorität erhoben (vgl. Broschüre sowie Positionen und Empfehlungen). Als Dachverband der Schweizer Banken setzt sie sich aktiv dafür ein, dass bestehende regulatorische Hürden in der Schweiz abgebaut und die Rahmenbedingungen für nachhaltige Finanzprodukte insgesamt weiter verbessert werden. Die SBVg sieht die Ziele des Bundesrats als Chance für den Finanzplatz Schweiz und möchte einen aktiven Beitrag zur Zielerreichung leisten.

Massnahmen der Schweizerischen Bankiervereinigung

Um international eine führende Position im Bereich Sustainable Finance einzunehmen und einen effektiven Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten, hat die SBVg in den letzten Jahren verschiedene Arbeiten angestossen. So hat der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedern bereits 2020 einen Leitfaden für den Beratungsprozess für Privatkunden erarbeitet und im August 2021 in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group (BCG) eine Studie zum Investitions- und Finanzierungsbedarf für eine klimaneutrale Schweiz bis 2050 publiziert. Im Februar 2022 wurde ausserdem ein Diskussionspapier zu klimaeffizienten Hypotheken veröffentlicht.

Mit einem konkret erarbeiteten Massnahmenplan schreitet die SBVg konsequent und zukunftsgerichtet voran:

  • Freie Selbstregulierungen: Mit neuen Selbstregulierungen definiert die SBVg für ihre Mitglieder einen Mindeststandard und stärkt mit einer hohen Beratungsqualität die Wettbewerbsfähigkeit und Glaubwürdigkeit in diesem Bereich. Konkret formuliert die SBVg für ihre Mitglieder verpflichtende Vorgaben für die Beratungsprozesse auf der Anlage- und Finanzierungsseite. Bezüglich der Nachhaltigkeit der Finanzprodukte trägt die SBVg die von der Asset Management Association Switzerland (AMAS) erarbeiteten Standards mit.
  • Netto-Null-Initiativen: Die SBVg erachtet die Netto-Null-Initiativen als wirksame Instrumente zur Erreichung der Klimaziele 2050. Sie empfiehlt ihren Mitgliedern, internationalen Netto-Null-Allianzen sowie Nachhaltigkeitsinitiativen im Bankbereich beizutreten. Seit dem 12. April 2022 ist die SBVg selbst mit Supporter-Status bei der Net-Zero Banking Alliance Mitglied.
  • Ausbildung: Die SBVg und die Banken integrieren ESG-Kompetenzen konsequent in die Aus- und Weiterbildung. Die SBVg hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Kundenberaterinnen und Kundeberater über entsprechende Kenntnisse im Bereich ESG verfügen und im Beratungsprozess einsetzen.

Um die Massnahmen erfolgreich umzusetzen und bestmögliche Resultate zu erzielen, steht die SBVg in regelmässigem Dialog mit allen relevanten Akteuren der Branche, den Aufsichtsbehörden, dem Bund, wichtigen Verbänden, NGOs und der Zivilgesellschaft.

Expertinnen und Experten

August Benz
Leiter Private Banking & Asset Management, Mitglied der Geschäftsleitung
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