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06.09.2026

Vontobel zieht nach Baar: Kein Alarmsignal, aber ein Weckruf

Der Entscheid der Bank Vontobel, einen neuen Campus in Baar zu schaffen, bestätigt die Dynamik des überregionalen Finanzplatzes Zürich. Für Stadt und Kanton muss die geplante Verlagerung des Holdingsitzes dennoch Anlass sein, ihre Standortpolitik selbstkritisch zu überprüfen. 

Gastbeitrag von Christian Bretscher, Geschäftsführer Zürcher Bankenverband

Vontobel will im Jahr 2030 mehr als 1’500 Mitarbeitende, die heute auf sieben Gebäude in Zürich verteilt sind, in einem neuen Campus in Baar zusammenführen. Mit dem Umzug soll auch der Hauptsitz der Holding nach Baar verlegt werden. In Zürich verbleiben gut 300 Mitarbeitende im Gebäude am Bleicherweg, das zum Kundenstandort umgebaut wird. 

Für einige Medien bot diese Ankündigung Gelegenheit, einmal mehr über eine Schwächung des Finanzplatzes zu spekulieren. Was aber bedeutet der Entscheid wirklich für den Bankenplatz Zürich? Besteht Grund zur Sorge? 

Der Finanzplatz Zürich ist wirtschaftlich längst grösser als sein namensgebender Kanton. In Übereinstimmung mit dem Finanzplatzmonitoring des Kantons Zürich fasst die im März veröffentlichte Studie von Oliver Wyman im Auftrag des Zürcher Bankenverbands die Kantone Zürich, Zug und Schwyz als eng verflochtene Finanzregion zusammen. Baar liegt rund 20 Kilometer von Zürich entfernt, die Reisezeit mit Auto oder Bahn beträgt rund eine halbe Stunde. Im Massstab internationaler Metropolregionen ist das eine eher bescheidene Pendlerdistanz. 

Aus dieser überregionalen Perspektive ist der Vontobel-Campus kein Alarmsignal, sondern ein weiteres Zeichen der Dynamik: Wieder eine bedeutende Bank am Finanzplatz investiert langfristig in moderne Infrastruktur, Wachstum und Arbeitsplätze. Dies unterstreicht die positive Entwicklung des Finanzplatzes Zürich. Als Zentrum des Schweizer Finanzmarktes bot er 2024 gut 102’000 Vollzeitstellen, rund 12 Prozent mehr als 2015. Mehr als 44’000 Vollzeitstellen entfielen allein auf die Banken. Der Finanzsektor erarbeitete über 16 Prozent der regionalen Wertschöpfung und auf die Banken entfallen rund 30 Prozent der schweizweit ausstehenden Kredite an Unternehmen und Haushalte. Der Finanzplatz erbringt damit unverzichtbare Dienstleistungen für Bevölkerung und Unternehmen und leistet überdies einen erheblichen Beitrag an die Steuereinnahmen von Stadt und Kanton Zürich. In der Stadt stammt rund die Hälfte der Unternehmenssteuern von Banken und Versicherungen. 

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist der Entscheid aus Sicht von Stadt und Kanton Zürich anders zu beurteilen. Dass ein traditionsreiches, renommiertes Zürcher Unternehmen den überwiegenden Teil seiner Arbeitsplätze und den Sitz seiner Holding in einen anderen Kanton verlagern will, ist ein ernst zu nehmendes Signal. Ein solcher Schritt ist mit erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwendungen verbunden und wird nicht ohne gewichtige Überlegungen geplant. 

Vontobel nennt als Vorteile des Standorts Baar insbesondere die verfügbaren Entwicklungsreserven, die gute Erreichbarkeit, das unternehmerisch geprägte Umfeld und einen bereits genehmigten Bebauungsplan. Die Annahme, dass weitere Faktoren wie Steuern, Kosten und Bewilligungsverfahren den Entscheid zumindest begünstigten, ist zumindest naheliegend. Es ist deshalb richtig, dass parlamentarische Vorstösse im Kantons- und Gemeinderat eine sorgfältige Analyse des Entscheids und der Standortattraktivität von Stadt und Kanton verlangen. 

Der blosse Verweis auf den Zuzug neuer und das Wachstum einzelner ansässiger Unternehmen greift dabei zu kurz. Diese Entwicklungen sind ebenso unbestritten wie erfreulich. Sie entbinden Stadt und Kanton aber nicht davon, die Gründe für den Wegzug etablierter und erfolgreicher Unternehmen sorgfältig zu untersuchen, vorhandene Schwächen einzugestehen und Strategien zu entwickeln, um diesen zu begegnen. Dazu gehören seit langem bekannte Herausforderungen wie einfachere, raschere und planbare Bewilligungsverfahren, genügend Entwicklungsflächen, effiziente Verwaltungsabläufe und wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen.  

Dass eine entschlossenere Pflege der Standortattraktivität auch auf nationaler Ebene notwendig ist, zeigt die erwähnte Studie von Oliver Wyman. Sie kommt zum Schluss, dass der Finanzplatz die Chance hat, seine Position als führendes globales Finanzzentrum zu halten und sogar weiter auszubauen. Im intensiven Wettbewerb mit internationalen Finanzzentren erfordert dies ein abgestimmtes Vorgehen von Finanzsektor, Realwirtschaft sowie Politik und Verwaltung, namentlich auch bei der Weiterentwicklung der Regulierung.  

Wird diese Chancen vertan, besteht tatsächlich die Gefahr, dass der Finanzplatz auf Dauer geschwächt wird – mit direkten Auswirkungen auf Wohlstand, Steuereinnahmen, Beschäftigung und Innovationskraft.  

Studie «Der Zürcher Bankensektor»: Download  

Über den Zürcher Bankenverband 

Der Zürcher Bankenverband (ZBV) vertritt die Interessen des Zürcher Finanz­platzes gegenüber Behörden, Politik und Öffentlichkeit. Er steht ein für einen international führenden, nachhaltigen, zukunftsgerichteten und innovativen Finanzplatz Zürich, der das Rückgrat eines wettbewerbsfähigen und offenen Wirtschaftsraums bildet und sich unter optimalen Rahmenbedingungen entwickeln kann. Er fördert den Informationsaustausch und die Vernetzung zwischen den Akteuren auf dem Finanzplatz und engagiert sich für die Aus- und Weiterbildung im Bank- und Finanzfach.  

Mitglieder des Zürcher Bankenverbandes sind 42 Banken mit mehr als 40’000 Mitarbeitenden in der Region Zürich. Als assoziierte Mitglieder gehören ihm auch die wichtigsten Versicherungsgesellschaften auf dem Platz Zürich an. Die Schweizerische Nationalbank und die SIX Group AG sind als zugewandte Institute mit dem ZBV verbunden. 

Weitere Informationen: zuercher-bankenverband.ch  

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