Selbstbewusst, aber nicht selbstzufrieden in die Zukunft
Vanessa Dubra, Leiterin International, spricht über den globalen Wettbewerb, die Auslandstrategie des Schweizer Finanzplatzes und die Bedeutung kluger Rahmenbedingungen.
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Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt, dass Hongkong die neue Nummer eins im grenzüberschreitenden Wealth Management ist. Verliert der Schweizer Finanzplatz an Bedeutung?
Die BCG-Studie zeigt, dass Hongkong im grenzüberschreitenden Wealth Management zur Schweiz aufgeschlossen hat und weiter an Dynamik gewinnt. Das ist vor allem auf die kräftige Vermögensentwicklung in China zurückzuführen. Rund zwei Drittel der in Hongkong verwalteten Vermögen stammen aus Festland-China. Gleichzeitig wachsen auch andere Finanzplätze in Asien, im Nahen Osten und in den USA. Das zeigt, wie intensiv der internationale Wettbewerb geworden ist. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Grösse, sondern auch die Qualität der betreuten Vermögen sowie die globale Vernetzung. Hier hat die Schweiz, als ein führender Offshore-Standort, einen grossen Vorteil: Unsere Kundenbasis ist geographisch breit diversifiziert und damit stabiler als die vieler anderer Finanzzentren. Zudem sind Schweizer Banken in Wachstumsmärkten erfolgreich tätig und partizipieren direkt an deren Entwicklung.
Mehr und mehr Staaten fördern ihre Finanzplätze. Tut die Schweiz genug?
Viele Länder haben erkannt, dass ein leistungsfähiger Finanzplatz ein bedeutender Erfolgsfaktor für die gesamte Volkswirtschaft ist. Er fördert Investitionen, Innovation, Unternehmenswachstum und damit Arbeitsplätze und Wohlstand. Entsprechend investieren sie gezielt in attraktive Rahmenbedingungen und die weltweite Positionierung. Der Wettbewerb findet nicht mehr nur zwischen Banken, sondern zunehmend auch zwischen Standorten statt. Damit die Schweiz weiterhin zu den führenden Finanzzentren gehört, müssen wir unsere Rahmenbedingungen weiterentwickeln, unsere Reputation schützen und unsere Stärken konsequent vertreten. Genau dieses Ziel verfolgt die Schweizerische Bankiervereinigung mit ihrer Auslandstrategie. Ebenso wichtig ist eine aktivere internationale Positionierung des Finanzplatzes durch Politik und Behörden.
Welche Märkte stehen im Fokus Ihrer Auslandstrategie und wie gehen sie vor?
Europa bleibt für den Schweizer Finanzplatz von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig gewinnen die USA, Asien und ausgewählte Regionen im Nahen Osten zunehmend an Gewicht. Wir verfolgen die Entwicklungen in diesen Märkten eng und bringen unsere Interessen aktiv in den Dialog mit Behörden, Verbänden und Entscheidungsträgern ein. Entscheidend ist, dass Schweizer Banken ihre globale Präsenz weiterhin unter optimalen Rahmenbedingungen weiterentwickeln und weltweit tätig sein können. Deshalb setzen wir uns für offene und faire Marktbedingungen ein.
Womit kann sich der Schweizer Finanzplatz differenzieren?
Der Schweizer Finanzplatz steht für Stabilität, Verlässlichkeit und hohe professionelle Standards. Gerade in unsicheren Zeiten machen diese Eigenschaften den Unterschied. Ein zentraler Differenzierungsfaktor ist, wie wir am Beispiel Hongkong sehen, die geographisch breit aufgestellte Kundenbasis, die unseren Standort widerstandsfähiger macht. Gleichzeitig zählt die Schweiz zu den innovativsten Finanzzentren weltweit, etwa bei digitalen Assets oder nachhaltiger Finanzierung. Ergänzt wird dies durch die hohe Qualität von Forschung und Bildung sowie die enge Verbindung zur Realwirtschaft.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Die geopolitische Lage ist volatiler geworden, Märkte fragmentieren sich und auch regulatorisch entwickeln sich die Rahmenbedingungen verschiedener Länder zunehmend unterschiedlich. Gleichzeitig beobachten wir, dass einzelne Staaten gezielt Massnahmen ergreifen, um ihre Finanzplätze zu stärken. Für die Schweiz ist es deshalb wichtig, internationale Entwicklungen eng zu verfolgen und sich frühzeitig in relevante Diskussionen einzubringen, insbesondere dort, wo die aktive Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen oder die Wettbewerbsfähigkeit betroffen sind.
Welche Rolle spielen die Mitglieder und weitere Stakeholder?
Eine zentrale Rolle. Die Auslandstrategie ist auf das Engagement unserer Mitglieder angewiesen. Sie bringen Marktkenntnisse, Netzwerke und Erfahrung aus der Praxis ein und wirken als Botschafter des Schweizer Finanzplatzes im Ausland. Ebenso unverzichtbar ist die enge Zusammenarbeit mit Behörden und Partnerorganisationen. Wir sind dann am stärksten, wenn alle relevanten Akteure koordiniert auftreten und Anliegen gemeinsam vertreten.
Was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Mitglieder?
Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein, aber keinen Grund, selbstzufrieden zu werden. Der Schweizer Finanzplatz verfügt über aussergewöhnliche Stärken. Gleichzeitig nimmt der globale Wettbewerb zu. Deshalb müssen wir uns weiterentwickeln, unsere Position aktiv vertreten und Chancen konsequent nutzen. Wenn wir das gemeinsam tun, wird der Schweizer Finanzplatz auch künftig zu den weltweit führenden Finanzzentren gehören.