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26.03.2026

Top 100 Digital Shapers Switzerland: Richard Hess über Verantwortung, Vertrauen – und warum digitale Innovation Teamarbeit ist

Die Top 100 Digital Shapers Switzerland zeichnen Persönlichkeiten aus, die den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft prägen. Sie denken strategisch voraus, erkennen früh relevante Entwicklungen – gestalten diese aktiv mit.

Wir freuen uns sehr, dass mit Richard Hess, unserem Leiter Digital Finance, auch ein langjähriger Mitarbeiter der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zu den diesjährigen Top 100 Digital Shapers zählt. Die Nominierung unterstreicht: Die Bankenbranche und die SBVg reden nicht nur über digitale Zukunft, sie gestalten sie aktiv mit. Im Interview ordnet Richard Hess die Auszeichnung ein.

Richard, du wurdest als einer der Top 100 Digital Shapers Switzerland 2026 nominiert. Was bedeutet dir diese Anerkennung persönlich?

Richard Hess: Ich habe mich sehr gefreut. Vor allem, weil ich die Nominierung nicht als persönliche Auszeichnung verstehe. Für mich ist sie vielmehr eine Anerkennung für das gemeinsame Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen. Digitale Transformation entsteht selten durch Einzelpersonen, sondern durch Zusammenarbeit über Organisationen, Branchen und Disziplinen hinweg. In diesem Sinne sehe ich die Nominierung als Spiegel dieser kollektiven Arbeit – und zugleich als Ansporn, diesen Weg konsequent weiterzugehen.

Die Digital Shapers stehen für Persönlichkeiten, die die digitale Transformation der Schweiz prägen. Wofür stehst du in diesem Kontext?

Ich verstehe meine Rolle vor allem als Brückenbauer zwischen Technologie, Regulierung und der praktischen Umsetzung in der Bankenbranche. Mich beschäftigt die Frage, wie Innovation verantwortungsvoll umgesetzt werden kann – so, dass sie echte Veränderungen bewirkt, gleichzeitig aber Vertrauen schafft und die Resilienz unseres Wirtschafts- und Finanzsystems stärkt. Neue Technologien sind wie leistungsstarke Motoren: beeindruckend, aber nur dann hilfreich, wenn es auch ein Lenkrad und funktionierende Bremsen gibt.

Welchen Beitrag leisten die Banken konkret zur digitalen Transformation in der Schweiz?

Die Banken leisten einen zentralen Beitrag zur digitalen Transformation des Finanzplatzes Schweiz – oft im Hintergrund und weniger sichtbar, als man vermuten würde. Sie investieren seit Jahren substanziell in stabile und sichere Infrastrukturen, in effiziente digitale Prozesse und in innovative, kundenorientierte Lösungen. Damit stärken sie nicht nur ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Attraktivität und Resilienz des Finanzplatzes Schweiz insgesamt.

Gleichzeitig tragen die Banken eine besondere Verantwortung für sensible Daten, für die Stabilität des Finanzsystems und für das Vertrauen der Kundinnen und Kunden. Digitale Transformation im Banking bedeutet deshalb, Innovation mit hohen Sicherheits‑, Qualitäts‑ und Vertrauensstandards zu verbinden – und damit einen verlässlichen Rahmen für nachhaltiges Wachstum und Stabilität zu schaffen.

Welche Rolle übernimmt dabei die SBVg?

Die SBVg versteht sich als Plattform, die Orientierung gibt und Zusammenarbeit ermöglicht. Sie bringt Banken und weitere relevante Akteure zusammen, um technologische Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und gemeinsame Positionen zu erarbeiten. Gerade bei neuen Technologien geht es darum, Chancen gezielt zu nutzen und Risiken realistisch zu adressieren. In diesem Kontext kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen sowie technologische Entwicklungen und ihre Implikationen verständlich aufzubereiten, um eine fundierte Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Die SBVg schafft dafür den Rahmen – sei es durch Selbstregulierung, den Dialog mit der Aufsicht oder die Förderung von Brancheninitiativen.

Was braucht es aus deiner Sicht, damit digitale Initiativen langfristig Wirkung entfalten?

Zunächst die ehrliche Erkenntnis, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist. Nicht jede neue Technologie bedeutet automatisch Fortschritt. Gerade im Banking gilt: Was glänzt, ist nicht immer Gold – manchmal ist es einfach gut verpacktes Risiko. Technologien können missbraucht werden, bewusst oder unbewusst. Deshalb braucht es ein tiefes Verständnis für mögliche Risiken und Nebenwirkungen, etwa in Bezug auf Datenschutz, Betrugsanfälligkeit oder die Stabilität des Finanzsystems.

Wo siehst du aktuell den grössten Hebel für die digitale Zukunft der Schweiz?

Ganz klar beim Vertrauen. Das ist ein klassisch schweizerischer Wert – und gleichzeitig hochmodern. Digitale Angebote brauchen verlässliche und leistungsfähige digitale Infrastrukturen: Energieversorgung, Datenzentren, Netzwerke, KI‑Modelle und nicht zuletzt einen robusten digitalen Zahlungsverkehr.

Im globalen digitalen Wettbewerb darf sich die Schweiz vor diesem Hintergrund weder abschotten noch in den «digitalen Bunker» zurückziehen. Es braucht kluge, risikobasierte Entscheidungen darüber, welche Technologien wo und wie sinnvoll eingesetzt werden. Strategische Autonomie bedeutet daher nicht Autarkie, sondern bewusste Wahlfreiheit.

Und letztlich entscheidet auch der Mensch: Talente, Bildung und interdisziplinäres Wirken bleiben die wichtigsten Fähigkeiten, um das Vertrauen, die Innovationsfähigkeit und die Wettbewerbsstärke des Standorts Schweiz nachhaltig zu sichern. Ich bin dankbar, in meiner gegenwärtigen Rolle gemeinsam mit vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen bei der SBVg, unseren Mitgliedern sowie weiteren Partnern einen Beitrag leisten zu dürfen.

Digital Finance & Cyber Security

Autoren

Deborah Jungo-Schwalm
Senior Manager Themen & Media Relations
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Richard Hess
Leiter Digital Finance
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