Vom Labor auf die Werkbank – Digitalwährungen vor der Umsetzung
Der Staub beim Thema Digitalwährungen lichtet sich. Dies machten die Aussagen hochkarätiger Teilnehmer des Point Zero Forums klar. Fundamentale Skepsis gegenüber Stablecoins ist einer Anerkennung des Potenzials gewichen. Zudem sei nun Zeit, vom explorativen Innovationsmodus wegzukommen und zum Umsetzungsprozess zu schreiten.
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Digitale Währungen bildeten ein zentrales Thema am diesjährigen Point Zero Forum. Auffallend dabei war, dass es im Vergleich zu früheren Austragungen weniger Präsentationen und Diskussionsrunden gab, bei denen edukative und explorative Betrachtungen im Mittelpunkt standen. Weniger als sonst wurden euphorische Buzzwords wie strategische Aufwärtspotenziale oder die Aktivierung von Wachstumsfeldern bemüht. Vielmehr stand die Frage im Zentrum wie Vertrauen in blockchainbasierte Geldformen geschaffen werden kann. Innovationstheater und Blockchain-Tourismus sollen nun verlassen und der Weg der Implementierung in grossem Umfang beschritten werden.
Nicht nur die Euphoriker werden weniger, sondern auch die Fundamentalopposition. Schwer wiegen die Worte von Agustín Carstens, ehemaliger Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. In aller Offenheit schilderte er seinen Gesinnungswandel bei Stablecoins: Von fundamentaler Skepsis zu Optimismus, was deren wirtschaftlichen Mehrwert betrifft. Gleichzeitig zeigte Andréa Maechler, stellvertretende Generaldirektorin der BIZ, auf, wie ihr Haus Stablecoins durch geeignetes Design geldwertiger machen will, und Antoine Martin, Vizepräsident SNB, stellte in Aussicht, dass die Nationalbank den bargeldlosen Zahlungsverkehr mit neuen Geldformen durch geeignete Massnahmen unterstützen wird. Dies sind untrügliche Zeichen, dass der Fortschritt in den Bereichen Deposit Token und Stablecoins greifbar wird und die Pferdestärken langsam auf den Boden gebracht werden.
Das Jahr 2026 könnte daher als jenes Jahr in Erinnerung bleiben, in dem tokenisierte Vermögenswerte den Übergang in die Produktion schaffen – nicht als isolierte Anwendungen, sondern als Bestandteil einer umfassenden Transformation der Finanzmarktinfrastruktur. Die Implikationen sind weitreichend. Tokenisierung bedeutet nicht lediglich Effizienzgewinne in bestehenden Prozessen. Ihr eigentlicher Kern liegt in der Neugestaltung der Marktinfrastruktur: Die Reduktion von Abstimmungsaufwänden, die nahezu sofortige Abwicklung, die Aufhebung klassischer Cut-off-Zeiten und die Möglichkeit, dass unterschiedliche Vermögenswerte auf gemeinsamen programmierbaren Plattformen interagieren.
Geld ist dabei kein primär technologisches Artefakt, sondern ein soziales Konstrukt, das auf Vertrauen, Durchsetzbarkeit und Resilienz beruht. Voraussetzung, dass innovative Geldformen skalieren können, ist deren Einbettung in glaubwürdige institutionelle Strukturen und die Vermeidung einer Fragmentierung in konkurrierende digitale Inseln in Form einer interoperablen Finanzarchitektur.
Genau dies ist die Stärke der Schweiz. Sie gilt denn auch international als eine Art Leuchtturmjurisdiktion: nicht immer die schnellste, aber konsequent in die richtige Richtung orientiert. Der Schweizer Ansatz ist pragmatisch. Er verbindet technologische Offenheit mit Rechtssicherheit und einem engen Dialog zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Dies mag weniger spektakulär erscheinen, schafft aber genau jene Voraussetzungen, die erforderlich sind, damit es tokenisierte Finanzsysteme von der Experimentierphase in die Umsetzung schaffen.
Das Fazit ist daher eindeutig. Und für die Schweiz besonders relevant: Die Diskussion verschiebt sich von der Frage «Wie funktioniert die Technologie?» hin zu «Welche institutionelle Architektur trägt sie? Wenn vertrauenswürdige Emittenten, klare Regulierung, skalierbare Infrastruktur und eine Einbindung in zentralbankfähige Abwicklungsmechanismen zusammenkommen, ist es möglich, dass wir am Anfang der Gestaltung eines neuen Finanzsystems stehen. Projekte für zukunftsfähiges Tokengeld wie Projekt Agorá des BIS Innovation Hub können hierzu Bausteine liefern. Agorás Versprechen ist die Reduktion von Friktionen bei der Geldwäschereibekämpfung, in der Geldpolitik und in der Abwicklung von internationalen Zahlungen. Die Schweiz ist gut positioniert, diesen Übergang als Leuchtturm mitzugestalten.