Meinungen
07.01.2026

Global Payments in Transition – Innovation, Interoperability & Inclusion 

Seit Jahrzehnten ist das globale Zahlungssystem ein stiller Leistungsträger. Für die meisten Verbraucher und Unternehmen unsichtbar, funktioniert es mit bemerkenswerter Stabilität – sicher, zuverlässig und in seinen Grundzügen weitgehend unverändert. Zentralbanken und Geschäftsbanken haben seine weitere Entwicklung dominiert, die sich stark auf nationale Grenzen konzentrierte und durch Korrespondenzbankensysteme teilweise miteinander verbunden war. Aber dieses langjährige Gleichgewicht verschiebt sich nun. In dieser Session des Digital Finance Day 2025 hoben die Experten hervor, wie der Zahlungsverkehr in eine Ära tiefgreifender struktureller Umbrüche eintritt, die durch neue Systeme und Technologien, sich verändernde geopolitische Realitäten und neue Marktakteure geprägt ist. 

Verbesserte Systeme und neue Technologien 

Innovationen im globalen Zahlungssystem werden nicht mehr ausschliesslich von traditionellen Finanzinstituten vorangetrieben. Grosse Technologieunternehmen, Fintechs, Krypto-Akteure und branchenspezifische Ökosysteme führen ihre eigenen Infrastrukturen, Geschäftsmodelle und Anreizsysteme ein. Diese zunehmende Vielfalt an Akteuren beschleunigt zwar Innovationen, schafft aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf Interoperabilität, Marktfragmentierung und systemische Risiken.  

Regulierungsbehörden in verschiedenen Jurisdiktionen stehen nun vor der Aufgabe, die Zahlungsaufsicht zu modernisieren. Sie stehen vor der doppelten Herausforderung, Innovationen zu ermöglichen und gleichzeitig Stabilität und Verbraucherschutz zu gewährleisten. Neue Regelwerke für Sofortzahlungen, Stablecoins, digitale Identität, Betrugsbekämpfungsstandards und Rahmenwerke für Cyber-Resilienz verändern bereits jetzt die Wettbewerbslandschaft. Die Referenten betonten, dass die regulatorische Ausrichtung dabei weder einheitlich noch politisch neutral ist. Die Unterschiede zwischen den Regionen – ob beabsichtigt oder zufällig – haben erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstrukturen, den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und Datenfluss sowie die Wettbewerbsausrichtung zwischen den Zahlungsökosystemen.

Geopolitik hält Einzug in den Zahlungsverkehr 

Was einst ein rein technischer Bereich war, ist zu einem geopolitischen Brennpunkt geworden. Konkurrierende Initiativen für digitale Währungen, Sanktionsarchitekturen, Infrastrukturabhängigkeiten und Debatten über Datenhoheit verwischen die Grenzen zwischen Finanz- und Aussenpolitik. Die Entwicklung von Zahlungssystemen ist zunehmend mit Fragen der nationalen Autonomie, des globalen Einflusses und der strategischen Widerstandsfähigkeit verbunden. Wie eine Rednerin feststellte: «Die Kontrolle über Zahlungsinfrastrukturen wird genauso wichtig wie die Kontrolle über Energie oder kritische Rohstoffe.» 

Dieser Gedanke treibt auch viele Projekte voran, die sich mit paneuropäischen Zahlungssystemen befassen, wie beispielsweise die von einem Redner vorgestellte Verknüpfung des Schweizer Interbank-Clearing-Systems mit dem europäischen TARGET2-Euro-Clearing-System.

Neue Akteure in der Wertschöpfungskette 

Der Aufstieg des agentenbasierten Handels – bei dem KI-Agenten autonom Käufe initiieren, im Namen der Nutzer verhandeln und mit anderen Agenten interagieren – wird die Art und Weise, wie Zahlungen ausgelöst, autorisiert und abgeglichen werden, dramatisch verändern. In einem solchen Umfeld können Transaktionen mit oder ohne direkte Beteiligung der Verbraucher stattfinden, es werden neue Formen von «Machine-to-Machine»-Mikrozahlungen entstehen, und die Beziehungen zwischen Händlern und Kunden könnten durch Algorithmen vermittelt werden. Daher muss Vertrauen nicht nur auf Benutzerebene, sondern auch auf Agentenebene eingebettet werden. Laut den Referenten stellt dieser Wandel lang gehegte Annahmen über die Zustimmung der Benutzer, die Haftung, die Authentifizierung und die Erlösmodelle in Frage. Zahlungssysteme müssen sich an eine Welt anpassen, in der Maschinen als wirtschaftliche Akteure agieren.

Die Zukunft ist schwer vorhersehbar, und Banken müssen sich anpassen. 

Da Systeme immer fragmentierter und gleichzeitig vernetzter werden, werden sie auch komplexer und automatisierter. Dies führte die Diskussionsteilnehmer zu dem Schluss, dass Vertrauen und Sicherheit in Zukunft noch wichtiger werden. Betrug wird mit der Digitalisierung zunehmen und KI-gesteuerte Angriffe werden immer raffinierter werden. Neue Zwischenhändler arbeiten oft nach anderen Risikophilosophien als Banken. Und da Zahler – seien es Menschen oder Maschinen – neue digitale Verhaltensweisen annehmen, entwickeln sich auch ihre Erwartungen in Bezug auf Schutz, Transparenz und Regressansprüche weiter. 

Das Zahlungsökosystem von morgen wird nicht durch eine einzelne Technologie oder einen einzelnen Akteur definiert sein, sondern durch das Zusammenspiel von Innovation, Vertrauen, Sicherheit und globaler Koordination. 

Im Rahmen unserer Beitragsserie zum Digital Finance Day 2025 beleuchtet dieser Blog die Ergebnisse der Session «Global Payments in Transition – Innovation, Interoperability & Inclusion».

Frühere Blogs:  

Dominik Müller, Junior Policy Advisor Digital Finance SBA: Betrug im Zeitalter von KI 

Christof Dornbierer und Marco Seiz, Acrea: KI-gestützte Beratung mit MCP  

Martin Hess, Chefökonom und Projektleiter für digitale Währungen SBA: Wenn es um Stablecoins geht, dann bitte Schweizer Franken verwenden – Meinungen – Medien & Politik – Swiss Banking 

Interview mit Stephanie Wickihalder, Präsidentin der SFTI: «Die Themen konvergieren – und das führt zu neuen Lösungen.»° 

Richard Hess, Leiter Digital Finance SBA: Digital Finance Day 2025 – Vertrauen als Schlüsselwährung – Nachrichten – Medien & Politik – Schweizer Bankwesen

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Autoren

Andrea Luca Aerni
Policy Advisor Digital Finance
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