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25.03.2026

Goldpreis im Wandel: Was die Entwicklung verrät

Kaum ein anderer Rohstoff fasziniert Anlegerinnen und Anleger so sehr wie Gold. Über Jahrzehnte hinweg hat es sich als Wertanlage in unruhigen Zeiten bewährt – die Entwicklungen der letzten zeigen dabei einmal mehr, wie eng der Goldpreis mit globaler Unsicherheit verknüpft ist.  

Gold zwischen Sicherheit und Volatilität 

In einem Umfeld geprägt von geopolitischen und -ökonomischen Spannungen und zunehmenden Staatsschulden nimmt die Nachfrage nach sicheren Anlagen zu. Doch trotz seiner Rolle als «Safe Haven» zeigt Gold mittlerweile ein volatileres Verhalten. In verschiedenen Marktphasen kam es zuletzt zu kräftigen Ausschlägen: So fiel der Goldpreis innert drei Tagen um 14 Prozent, als Trump den nächsten Präsidenten des amerikanischen Zentralbank-Systems nominierte und damit auch Anlagen wie Silber oder Bitcoin unter Druck gerieten. Solche Bewegungen verdeutlichen: Gold ist nicht unbedingt und immer ein stabiler Fels in der Brandung, sondern kann auch sensibel auf welt- und geldpolitische Veränderungen reagieren.

Geopolitik als zusätzlicher Preistreiber 

Geopolitische Entwicklungen wirken als starker Katalysator für die Nachfrage nach Gold. Analysen zeigen, dass Investoren zunehmend klassische «Safe Havens» suchen, während Fragmentierung, Konflikte und neue Machtverschiebungen die globalen Kapitalmärkte prägen.  

Die Schweiz ist dabei einer der weltweit bedeutendsten Knotenpunkte im Goldhandel. Die Raffinerien, Handelsströme und ihre internationale Vernetzung machen den Bankenplatz, der diese Aktivitäten finanziert, besonders sensibel für globalpolitische Entwicklungen. Steigende Nachfrage, mögliche Exportrestriktionen oder internationale Sanktionen wirken sich daher unmittelbar aus – vor allem auf die Realwirtschaft.  

Augenfällig wird dies in den Handelsströmen: Die Schweiz exportierte allein im ersten Halbjahr 2025 über 476 Tonnen Gold im Wert von 39 Milliarden Franken in die USA, da dort die Nachfrage unter anderem aufgrund von Unsicherheit, Inflation und der Sorge vor einer weiter ansteigenden Staatsverschuldung deutlich angestiegen ist. Neben privaten Investoren und Notenbanken spielen dabei auch Stablecoins, wie zum Beispiel Tether, eine essenzielle Rolle. So kaufte Tether allein im Jahr 2025 rund 70 Tonnen Gold, und damit mehr als die meisten Nationalbanken. Ebenso können handelspolitische Signale den Goldpreis stark bewegen: Als die USRegierung mögliche Zölle auf Gold in Betracht zog, stieg der Preis; nach der anschliessenden Klarstellung, dass keine Abgaben vorgesehen sind, gab er deutlich nach.

2026 – was bisher geschah 

Das Jahr 2026 begann für Gold mit einem Paukenschlag. Nach einem ohnehin aussergewöhnlich starken Vorjahr setzte das Edelmetall seinen Aufwärtstrend nahtlos fort – schneller und dynamischer, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten.  

Zu Jahresbeginn notierte Gold bei rund 4'330 US-Dollar je Feinunze. Schon in den ersten Handelswochen zog der Preis kräftig an, getragen von einer anhaltenden Nachfrage und einem Marktumfeld, das weiterhin von Unsicherheit geprägt war. Mitte Januar wurden nahezu täglich neue Höchststände verzeichnet, bis der Goldpreis am 28. Januar 2026 ein neues Allzeithoch von knapp 5'600 US-Dollar markierte. Innerhalb weniger Wochen hatte das Edelmetall die symbolisch wie psychologisch wichtige Marke von 5'000 US-Dollar deutlich überschritten. 

Der Höhenflug blieb nicht ungebremst. Auf das Rekordhoch folgte eine Phase ausgeprägter Schwankungen. Gewinnmitnahmen und Spekulationen über die künftige Ausrichtung der US-Geldpolitik sorgten Ende Januar und Anfang Februar für eine spürbare Korrektur. Binnen weniger Tage fiel der Goldpreis zeitweise wieder unter die Marke von 5'000 US-Dollar, ehe er sich allmählich stabilisierte. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar lässt sich ein erneuter Kurseinbruch beobachten.

Ausblick: Wohin bewegt sich der Goldpreis? 

Die zukünftige Entwicklung des Goldpreises wird voraussichtlich nicht nur von einzelnen Ereignissen, sondern auch von grundlegenden Strukturtrends bestimmt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die geopolitische Unsicherheit: Je stärker sich globale Machtverhältnisse verschieben, desto attraktiver wird Gold als strategische Reserve. Gleichzeitig dürfte die Bedeutung von Gold für Zentralbanken weiter wachsen, da viele ihre Währungsreserven diversifizieren und unabhängiger von traditionellen Leitwährungen werden wollen. 

Damit verbunden bleibt auch die Geldpolitik ein wichtiger Einflussfaktor – jedoch nicht in Form isolierter Zinsschritte, sondern über ihre Wirkung auf Risikoempfinden und Liquiditätsbedingungen. Ein Umfeld mit schwankender Inflation und wechselnden Zinserwartungen begünstigt weiterhin die Nachfrage nach stabilitätsorientierten Anlagen. 

Hinzu kommt: Politische Signale und regulatorische Entscheidungen können kurzfristig stärkere Marktreaktionen auslösen als fundamentale Daten. Die Diskussionen des vergangenen Jahres rund um internationale Handels- und Sanktionspolitik zeigen, dass selbst Gerüchte zu neuen Barrieren den Goldmarkt bewegen können – unabhängig davon, ob sie am Ende umgesetzt werden. 

Insgesamt spricht vieles dafür, dass Gold in einem stärker fragmentierten und politisch sensibleren globalen Finanzsystem als Wertanlage an Relevanz gewinnt. Nicht zwingend durch stark steigende Preise, sondern durch seine wachsende Rolle als strategischer Anker in Portfolios, Staatsreserven und im internationalen Handel.

Fazit: Gold bleibt relevant – aber differenzierte Betrachtung notwendig  

Der Goldpreis erzählt eine vielseitige Geschichte: Er spiegelt das globale Unsicherheitsniveau wider, reagiert sensibel auf politische und wirtschaftliche Schocks und spielt zugleich eine wichtige Rolle in den Entscheidungen institutioneller und privater Anleger. Für Investorinnen und Investoren gilt deshalb: Gold kann ein zentraler Baustein der Diversifikation sein – jedoch nur als Teil einer ganzheitlichen Strategie. Stabilität entsteht heute weniger durch einzelne Anlageklassen als durch vorausschauendes Risikomanagement unter Berücksichtigung geopolitischer und regulatorischer Entwicklungen.  

InsightWirtschaft

Autoren

Nina-Alessa Michel
Policy Advisor Regulation & Economics
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