Er brachte The River zum Fliessen
Sascha Fanetti denkt in grossen Zusammenhängen, in seinem Kopf werden Gedanken zu Bildern, zu Rhythmus, zu Geschichten. Ein Portrait über den kreativen Kopf hinter der Kampagne The River.
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Er ist nicht zu übersehen, fast zwei Meter ist der Mann gross. Gross sind auch seine Gedanken. Und wer mit ihm zusammenarbeitet merkt schnell: gross sind auch seine Ansprüche. An sich selbst, an sein Gegenüber und an seine Arbeit. Wie entwickelt so jemand eine nationale Kampagne für Banken, quasi vom leeren Blatt bis hin zum umfassenden Konzept?
Zu Beginn stellte sich Fanetti eine einfache Frage: Wie lässt sich die Bedeutung Schweizer Banken so erzählen, dass sie nahbar, zeitgemäss und intuitiv verständlich wird? Statt Zahlen und Kennwerte in den Vordergrund zu stellen, rückte er den Blick auf Lebenswege, wirtschaftliche Entwicklungen und Veränderungen. Daraus entstand die Idee des Flusses – als Metapher für Bewegung, Wachstum und Kontinuität. Wirtschaft, so seine Überzeugung, ist ständig im Wandel. Unternehmen wachsen, Märkte verändern sich, Lebenssituationen entwickeln sich weiter. Schweizer Banken begleiten diese Prozesse, ermöglichen Entwicklungen und sorgen für Stabilität. Der Fluss verbindet Dynamik und Verlässlichkeit – ein Bild, das stark genug ist, um eine ganze Kampagnenwelt zu tragen, visuell wie inhaltlich.
Im Kopf von Sascha Fanetti war das Bild klar, aber es brauchte einiges an Überzeugungsarbeit, die Idee zu vermitteln. Fragen drängten sich auf: Was hat ein Fluss mit Banken zu tun, wieso sind die Protagonisten alle auf einem Boot, warum diese Lichtelemente in den Filmen?
Sascha Fanetti macht die Dinge eben gerne anders als man erwartet. Den Diskussionen, auch den anstrengenden, weicht er nicht aus, er überzeugt mit den richtigen Argumenten. «The River» unterscheidet sich bewusst von klassischen Kampagnen. Wo andere erklären, erzählt diese. Der Fluss ist kein dekoratives Symbol, sondern das strukturelle Element der Geschichte. Er verbindet Menschen, Generationen und Perspektiven und schafft einen Zusammenhang, der über einzelne Botschaften hinausgeht. Die grösste Herausforderung für Sascha Fanetti lag dabei in der Glaubwürdigkeit. Er weiss, Schweizer Banken sind ein sensibles Thema, geprägt von Geschichte und unterschiedlichen Meinungen. Zu emotional zu erzählen hätte schnell beschönigend gewirkt, zu sachlich wiederum distanziert. Die Balance zu finden – zu berühren, ohne zu dramatisieren, zu erklären, ohne sich zu rechtfertigen – war der zentrale Anspruch.
Wie blickt er ein halbes Jahr nach der Lancierung auf die Kampagne? Er ist immer noch zufrieden, mit seiner Arbeit und der Kampagne. Aber, da ist Fanetti Profi genug, gefallen muss es nicht ihm. Entscheidend ist, ob die Kampagne draussen funktioniert, verstanden wird und Wirkung entfaltet. Und das tut sie, das zeigen die Reaktionen. Klar ist aber auch: Eine solche Kampagne ist ein längerfristiges Projekt, Vertrauen entsteht nicht über Nacht, sondern wächst langsam. Dass die Kampagne als ungewohnt wahrgenommen wird und auch ihm regelmässig die Frage gestellt wird, ob und wie es weitergeht, wertet er als positives Zeichen. Nicht als Abschluss, sondern als Anfang einer Geschichte, die weitererzählt werden will. Sascha Fanetti ist auf jeden Fall bereit. Mit weiteren grossen Ideen.
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