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29.03.2022

Instant Payments und Sanctions

Mit Instant Payments können Zahlungen künftig in Sekundenschnelle abgewickelt werden: eine Revolution des herkömmlichen Zahlungsverkehrs? Im kürzlich durchgeführten Webinar der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zum Thema Instant Payments und Sanctions wurden neben dieser Frage der künftige Service der SIX und die Herausforderungen aus Sanktionssicht beleuchtet.

Die Thematik «Instant Payments» ist für die Schweizer Bankenwelt topaktuell und von zentraler Bedeutung. Entsprechend gross war das Interesse der Mitglieder der Schweizerischen Bankiervereinigung am SBVg-Webinar vom 17. März 2022 zum Thema «Instant Payments und Sanctions» mit insgesamt 305 Teilnehmenden. Ihnen bot sich eine Tour d’Horizon von Entwicklungen im Ausland und möglichen Geschäftsmodellen über die künftige praktische Umsetzung von Instant Payments in der Schweiz bis hin zu den neuen Services SIC5 der SIX und den Herausforderungen bei der Einhaltung von Sanktionen. Als Experten sprachen hierzu RA Dr. iur. Hans Kuhn, Partner bei Wicki Partners AG, Bruno Kudermann, Senior Product Manager bei SIX, und Dr. Thomas Graf, Financial Crime Compliance bei der Zürcher Kantonalbank.

Instant Payments kurz erklärt

Mit der Zahlungsmethode «Instant Payments» können Zahlungen quasi in Echtzeit erfolgen: Maximal 10 Sekunden dauert es, bis die Zahlungen vom Konto des Auftraggebers auf das Konto des Zahlungsempfängers abgewickelt werden, inklusive Settlement zwischen den Banken. Dies unterscheidet Instant Payments von bereits existierenden Zahlungsmethoden wie TWINT, bei welchen die Interbanken-Verrechnung nachgelagert erfolgt.

Das bereits bestehende Zahlungssystem «Swiss Interbank Clearing» (kurz: SIC) der SIX wird in Form von SIC5 künftig neben dem «Real Time Gross Settlement» (kurz: RTGS) auch Instant Payments unterstützen und wird den Kunden während 24 Stunden, 7 Tage die Woche und an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung stehen.

Eine Thematik, die alle Banken betrifft

Sämtliche Banken, die Kundenzahlungen abwickeln, sind früher oder später verpflichtet, Instant Payments abwickeln zu können: Bereits ab August 2024 betrifft dies grössere Banken mit über 500'000 Transaktionen und ab November 2026 werden alle Banken, die Kundenzahlungen abwickeln und auch weiterhin abwickeln wollen, verpflichtet, diese in Form von Instant Payments ausführen zu können. Die SIX stellt für die Umsetzung hilfreiche Dokumente zur Verfügung wie beispielsweise die Grundprinzipien, ein SIC IP Service-Handbuch sowie die sogenannten Implementation Guidelines.

Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung

Instant Payments werden die Bezahlung übers Handy mit grosser Wahrscheinlichkeit noch verstärken und gar vereinfachen. Zudem werden durch die Geschwindigkeit der Zahlungsabwicklung Gegenparteirisiken verringert. 

Die Geschwindigkeit der Transaktionsabwicklung führt in der Umsetzung, insbesondere mit Blick auf Compliance-Vorgaben, aber auch zu Herausforderungen. So ist es beispielsweise nicht klar, wie die herkömmlichen Sanktionsprüfungsmechanismen auf Instant Payments angewendet werden sollen. Wenn eine Transaktion im herkömmlichen Zahlungsverkehr bei der Sanktionsprüfung einen Treffer verursacht, zieht dies eine Abklärung durch einen Bankmitarbeitenden nach sich. Gesperrte Gelder müssen ausserdem dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO gemeldet werden. Dass manuelle Abklärungen innert 20 Sekunden nicht möglich sind, liegt auf der Hand. Eine Möglichkeit besteht darin, eine Zahlung automatisch abzuweisen, sofern sie einen Sanktionstreffer verursacht. Damit wäre die Einhaltung der regulatorischen Vorgaben sichergestellt, auch wenn die Erfahrung des Kunden womöglich darunter leidet. Diese und viele weitere Fragen werden in den kommenden Monaten zu klären sein.

Interessierte Mitglieder der Schweizerischen Bankiervereinigung und deren Angestellte können die Präsentation zum Webinar bei der SBVg (nina.fraefel@sba.ch) anfordern.

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