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17.12.2021

«Building Bridges» bringt Akteure an einen Tisch und gibt Richtung für 2022 vor 

Bei der Konferenz in Genf fanden sich zahlreiche Akteure aus der Schweiz und der UNO zusammen, um die Grundlagen für konkrete gemeinsame Verpflichtungen bis Ende 2022 zu schaffen. Die SBVg brachte sich mit einer Veranstaltung zur Finanzierung der Transition hin zum Netto-Null-Ziel in der Schweiz ein. 

Die zweite Ausgabe von «Building Bridges» fand vom 29. November bis 2. Dezember 2021 in Genf statt. Mit dem Treffen ging ein Monat zu Ende, der viele Impulse zugunsten eines nachhaltigen Finanzwesens setzte. Auf internationaler Ebene hatte die UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP 26) mehr denn je deutlich gemacht, dass der Finanzsektor seinen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten muss. Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang die Lancierung der Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ), welche die Initiativen zur Finanzierung der Klimaneutralität im Rahmen einer Koalition von Branchenmitgliedern bündelt. In der Schweiz hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, eine Methode zur Ausrichtung von Portfolios auf das angestrebte Temperaturziel sowie ein Label für Klimatransparenz zu entwickeln.

Eröffnung mit Bundesrat Ueli Maurer und Amina Mohammed

In einem pandemiebedingt sehr unsicheren Kontext fand der «Building Bridges Summit» zum Wochenauftakt in Hybridform statt, was reibungslos funktionierte. So gelang es, sämtliche Akteure in einem Saal zusammenzubringen. Im Rahmen des Vormittagsprogramms sandten Bundesrat Ueli Maurer in seiner Funktion als Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements sowie Amina Mohammed, die Vize-Generalsekretärin der Vereinten Nationen, ein starkes Signal für die Förderung des Multilateralismus im Bereich der Nachhaltigkeit aus. Es folgten zahlreiche Podiumsdiskussionen zu den drei Themen, die dieses Jahr auf der Tagesordnung standen: Wirkung und Transparenz, Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Gebiet der nachhaltigen Finanzdienstleistungen und Rolle der Fintechs bei der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs).

Am Hauptziel von «Building Bridges» hat sich indes nichts geändert. Es geht nach wie vor darum, die Agenda 2030 der Vereinten Nationen bis 2030 zu erfüllen und den Finanzplatz sowie die staatlichen Stellen in die Lage zu versetzen, die erforderlichen Finanzmittel für die Erreichung dieses Ziels und die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zu mobilisieren. Vor diesem Hintergrund lag der Fokus dieser zweiten Ausgabe von «Building Bridges» darauf, die Ergreifung konkreter Massnahmen und das Eingehen spezifischer Verpflichtungen zu fördern. Neben der Intensivierung des Dialogs zwischen dem Finanzplatz und den UNO-Organisationen verfolgten die Veranstaltungen auch den Zweck, der Konferenz internationale Bedeutung zu verleihen und den Austausch mit der Realwirtschaft zu intensivieren. Denn nur so lässt sich ein schneller, erfolgreicher Wandel bewerkstelligen.

Einzelmassnahmen ja, aber keine weitergehende Ankündigung

Im Rahmen von «Building Bridges» wurden verschiedene konkrete Initiativen bekanntgegeben. So veröffentlichte beispielsweise der Verband Swiss Sustainable Finance (SSF) eine neue Roadmap mit 57 Massnahmen in den folgenden vier Bereichen: Setzen neuer Standards, Entwicklung von Transparenz, Innovation sowie Dialog und Ausbildung. Derweil rief das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die SDG Impact Finance Initiative ins Leben, ein neues Programm zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung, welche es mit 19,5 Millionen Schweizer Franken unterstützt. Und schliesslich veröffentlichte die Asset Management Association Switzerland (AMAS) gemeinsam mit dem SSF Empfehlungen zu Mindestanforderungen für nachhaltige Finanzprodukte. Sie sollen das Vertrauen der Anleger stärken und die verschiedenen Investitionsansätze besser mit den Zielen der Anleger in Einklang bringen.

Fahrplan für 2022

Patrick Odier, Präsident von «Building Bridges», warb bei seiner Abschlussrede für vier Ziele, die aus seiner Sicht bis Ende 2022 erreichbar sind, und skizzierte damit gleichzeitig den kurzfristigen Fahrplan von «Building Bridges. So forderte er den Schweizer Finanzplatz auf, sich nicht nur für das Ziel der Netto-Null-Emissionen, sondern auch für den Kohleausstieg zu engagieren, keine Entwaldungsprojekte mehr zu finanzieren und implizite Temperatur-Kennzahlen für Kundenportfolios einzuführen. Damit schloss sich Patrick Odier der Linie des Bundesrats und den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) an. Aufgrund der neuen Dynamik, die in Genf entstanden ist, hat sich das Treffen der Initiative «Building Bridges» zu einer festen Grösse in der Welt der Sustainable Finance entwickelt. Allerdings ist die Veranstaltung in der Deutschschweiz und im Ausland nur auf ein begrenztes Echo gestossen, und auch das Medieninteresse war gering.

Finanzierung der Schweizer Klimawende

Als Gründungspartnerin der Initiative führte die SBVg während der Building-Bridges-Woche eine eigene Veranstaltung zum Thema Transition financing: the role of private sector financing in climate change mitigation durch, nachdem sie dieses Jahr mit der Boston Consulting Group eine Studie über die Finanzierung der Transition der Schweizer Wirtschaft zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 veröffentlicht hatte. Daniela Stoffel, Staatssekretärin für internationale Finanzfragen, und Nathan Fabian, Vorsitzender der European Platform on Sustainable Finance sowie Chief Responsible Investment Officer der UN-Initiative Principles for Responsible Investment, erläuterten in ihren Ansprachen ihre Standpunkte. Über die Mittel zur Bewältigung dieser Transition diskutierten im weiteren Verlauf die Panelteilnehmenden Christian Ossig, Präsident des Exekutivkomitees des Europäischen Bankenverbands, Catherine McGuinness, Präsidentin des Policy and Resources Committee der City of London, Sonia Seneviratne, Professorin für Klimatologie an der ETH Zürich und Jörg Gasser, CEO der SBVg. Es herrschte Einigkeit darüber, dass eine solche Transition nicht allein durch den Staat finanziert werden kann. Daher kommt dem Privatsektor eine herausragende Rolle zu, nicht nur in der EU, sondern auch in der Schweiz, wo 91 Prozent des Finanzierungsbedarfs von den Banken durch Kreditvergaben oder über den Kapitalmarkt abgedeckt werden können. Entscheidend spielen auch die jeweilige Wirtschaftsstruktur und die unterschiedlichen Branchen, die in den einzelnen Ländern vertreten sind, eine entscheidende Rolle für die Finanzierungsstruktur und die teilnehmenden Akteure.

Die als jährliche Konferenz und Speerspitze einer grösseren Bewegung konzipierte «Building Bridges Week» findet das nächste Mal Ende 2022 statt. Dann wird es darum gehen, die erzielten Fortschritte zu ermitteln und alle Akteure auf solide, koordinierte Ergebnisse und Verpflichtungen einzuschwören.

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