Der Faktor «Swissness»: Warum Schweizer Banken widerstandsfähig bleiben
Die Schweizer Wirtschaft wächst nur moderat, die Zinsen bleiben tief und die Weltlage unruhig. Und trotzdem blicken Schweizer Banken vorsichtig zuversichtlich nach vorne. Warum? Martin Hess, Chefökonom und Nina Michel, Policy Advisor Regulation & Economics, beide aus dem Team Wirtschaftspolitik der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), sprechen über ihre neuste Publikation, das «Swiss Banking Outlook Update 2026» – und darüber, was hinter den Zahlen steckt.
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Im Dialog über wirtschaftliche Aussichten und die Rolle der Swissness für die Banken: Nina Michel und Martin Hess.
Für das aktuelle Swiss Banking Outlook Update hat das Team Wirtschaftspolitik führende Ökonominnen und Finanzexperten aus seinen Mitgliedsbanken befragt. Diese schätzen die Entwicklung von Wirtschaft, Zinsen und zentralen Geschäftsfeldern der Banken ein. Das Ergebnis: keine Euphorie, aber auch kein Krisenszenario.
Martin, beginnen wir genau dort: Warum lautet das Fazit «verhalten optimistisch»?
Weil mehrere Faktoren gleichzeitig wirken. Die Expertinnen und Experten erwarten für 2026 ein moderates Wirtschaftswachstum, eine sehr tiefe Inflation und einen Leitzins bei null Prozent. Das spricht für Stabilität. Gleichzeitig hellt sich die Entwicklung in unseren Absatzmärkten leicht auf. Das internationale Umfeld bleibt aber sehr unsicher. Diese Kombination führt zu einem positiven, jedoch zurückhaltenden Gesamtbild.
Nina, was heisst das konkret für die Schweizer Wirtschaft?
Die Wirtschaft wächst weiter, aber ohne grosse Dynamik. Für 2026 rechnen die Befragten mit rund 1,2 Prozent Wachstum. Die Arbeitslosigkeit steigt leicht, bleibt aber auf einem tiefen Niveau. Auffällig ist, wie nahe die Einschätzungen im Swiss Banking Outlook der Expertinnen und Experten beieinanderliegen. Das zeigt, dass die Prognosen breit abgestützt sind.
Und wie übersetzt sich dieses Umfeld auf die Banken?
Martin: Erstaunlich stabil. Rund vier Fünftel der Expertinnen und Experten erwarten für 2026 einen gleichbleibenden oder sogar steigenden Geschäftserfolg der Banken. Das ist bemerkenswert, da das Zinsumfeld für Banken weiterhin anspruchsvoll bleibt. Die Zinsmarge steht weiterhin unter hohem Druck.
Woher kommt dieser Optimismus, wenn nicht aus dem Zinsgeschäft?
Nina: Aus dem Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft. Kundinnen und Kunden sind wieder aktiver an den Finanzmärkten, investieren mehr, und die verwalteten Vermögen wachsen. Besonders das Wealth Management trägt wesentlich zum Geschäftserfolg bei. Die steigenden verwalteten Vermögen und die positive Marktentwicklung kompensieren den anhaltenden Druck auf die Zinsmargen.
Ein Thema, das viele direkt betrifft, ist Wohneigentum. Was zeigt das Outlook bei Hypotheken?
Martin: Die Nachfrage nach Hypothekarkrediten steigt weiter, und zwar trotz der Abschaffung des Eigenmietwerts. Das ist eines der klaren Ergebnisse der Befragung.
Nina: Ein zentraler Treiber sind die hohen Immobilienpreise. Selbst wenn die Nachfrage stabil bleibt, wächst das Hypothekarvolumen, weil höhere Beträge finanziert werden müssen. Für die Banken bleibt das Hypothekargeschäft damit sehr wichtig.
Wie sieht es bei Unternehmenskrediten aus?
Nina: Hier sind die Erwartungen zurückhaltender. Bei Nicht‑Hypothekarkrediten rechnen viele mit einer stabilen, aber nur moderaten Entwicklung. Unternehmen investieren vorsichtig, was die Unsicherheit im globalen Umfeld widerspiegelt.
Deutlich positiver ist der Blick auf die verwalteten Vermögen aus dem Ausland. Warum?
Martin: Weil Swissness wieder stark gefragt ist. Also Sicherheit, Stabilität und das, was man auch schlicht solides Schweizer Bankhandwerk nennen kann. Genau davon profitiert der Finanzplatz Schweiz – zusammen mit der Stärke des Frankens.
Nina: Deshalb erwarten die befragten Expertinnen und Experten, dass die grenzüberschreitend verwalteten Vermögen 2026 ein neues Rekordniveau erreichen. Die sogenannte Swissness wirkt hier ganz konkret.
Euer Fazit zum Outlook Update 2026?
Martin: Der Bankenplatz Schweiz erweist sich als widerstandsfähig in einem weiterhin und auf absehbare Zeit garstigen Zinsumfeld.
Nina: Und gut positioniert, solange er auf Dienstleistungen, Qualität und Vertrauen setzt.